Lesen, schreiben und rechnen

Äthiopien bittet um Bildung

Das Hilfswerk SamariterDienst unterstützt 35 überkonfessionelle Vorschulen in Äthiopien

Andreas Langermann, Mitarbeiter des SamariterDienstes, besuchte eine Woche lang die überkonfessionelle Vorschularbeit in Äthiopien. Hier sein Reisebericht:

Mit unserem deutschen Koordinator in Afrika, Jürgen Rudolph, erreicht wir am Abend des 3. März die Hauptstadt Äthiopiens. Unsere vordringlichste Aufgabe bestand darin, die Verwendung der Patenschaftsgelder und die Vorschularbeit in Äthiopien zu überprüfen. Dazu starteten wir früh am nächsten Morgen in die Sidama-Provinz. Der Projektleiter Hiruy Tsige holte uns persönlich mit seinem altersschwachen Landrover ab. Unterwegs drang plötzlich schwarzer Rauch aus dem Motorraum in das Innere des Fahrzeugs. Der Grund? Beim Ölkontrollstab fehlte die Dichtung, somit tropfte Öl auf den Motor und verdampfte.

In Akaki, am südlichen Stadtrand von Addis Abeba, besuchten wir eine Vorschule. Dort werden die Kinder in drei Klassen unterrichtet. Im Gegensatz zu Deutschland nimmt in Äthiopien eine Schule nur dann Kinder auf, wenn sie bereits lesen und schreiben können. Weil in Äthiopien jedoch über 70% der Bevölkerung Analphabeten sind, ist diese Unterweisung der Kinder ein erster Schritt, um ihnen später eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Es war vielen Menschen nicht möglich, in jungen Jahren eine Schule zu besuchen, deshalb nehmen heute auch Teenager und sogar Erwachsene neben vier-jährigen Kindern am Unterricht der Vorschule teil.

Vor Ort wird eine sehr gute Arbeit geleistet. Die Lehrer sind kompetent und gehen auch auf die Kinder ein. Die Kinder selbst sind im Unterricht sehr diszipliniert, obwohl sie dichtgedrängt auf den Bänken sitzen. Nach Auskunft von Projektleiter Hiruy Tsige werden die Kinder aus den von ihnen betreuten Vorschulen ohne Probleme in der Grundschule aufgenommen.

Wir fuhren weiter und erreichten am Nachmittag Awasa, die größte Stadt im Süden von Äthiopien. Am gleichen Nachmittag besuchten wir auch noch eine Bibelschule, die ca. 15 km von Awasa entfernt liegt. Auf dem Gelände herrschte eine rege Bautätigkeit. Zur Zeit wird eine Kirche gebaut, die auch als zentrale Konferenzstätte für die christlichen Gemeinden der Sidama-Region gelten soll und die nächstes Jahr offiziell eingeweiht werden soll. Direkt angrenzend an das Grundstück wurde der Gemeinde eine weitere Liegenschaft zum Bau einer Grundschule übergeben. Besonders dort wurde fleißig gearbeitet, weil diese Schule bereits in diesem Herbst in Betrieb gehen soll.

Auf unserer Rückfahrt nach Awasa stellte sich immer öfter ein Problem beim Landrover ein. Der Motor hatte Aussetzer und ging immer wieder ganz aus. Glücklicherweise sprang der Motor nach kurzer Zeit doch wieder an. Erst etwa 200 m vor unserem Ziel ging der Motor alle 50 m aus. So kamen wir noch sicher zu unserem Schlafplatz. Am nächsten Morgen sprang der Wagen überhaupt nicht mehr an. Ein ‘äthiopischer Abschleppdienst’ (5 junge Männer) schoben das Fahrzeug bis zur nächsten Werkstatt.

Bis zum Mittag schließlich war das Fahrzeug wieder soweit hergestellt, dass wir es benutzen konnten. Die geplante Fahrt in den äthiopischen Busch jedoch traten wir nun nicht mehr an, sondern besuchten dafür zwei Gemeinden mit einer Vorschule etwa 25 km von Awasa entfernt. Obwohl unser Besuch nicht angekündigt war, wurden wir in beiden Fällen sofort von den Gemeindegliedern umringt. Sie zeigten uns die Brunnen, die für ihre Dörfer das notwendige Wasser geben sollen. Neben der großen Anzahl an Analphabeten ist Wasser eine große Not in Äthiopien. Nur 27% der Bevölkerung hat direkten Zugang zum Wasser, sei es fließendes Wasser wie bei uns, oder ein Brunnen in der Nähe des Hauses. Die Mehrzahl der Bevölkerung muß das Wasser teilweise kilometerweit von einer Wasserstelle holen.

Eine der besuchten Kirchen wird unter der Woche auch als Vorschule genutzt, so dass auch die Kinder in diesem Dorf die Möglichkeit zu einer Ausbildung haben.

Am Sonntag starteten wir dann noch vor Sonnenaufgang mit einem Mietwagen zu unserer Fahrt in den Busch. Für die etwa 150 km lange Strecke benötigten wir 3,5 Stunden, da die letzten 100 km nur aus unbefestigten Schotter- oder Lehmpisten bestanden. Irgendwo im Busch wurden wir zum Gottesdienst herzlich begrüßt. Auf Grund der vielen Zuhörer fand dieser im Freien statt.

Am nächsten Tag begannen wir mit der Rückfahrt nach Addis Abeba. Allerdings verließen wir unterwegs die Hauptstrasse, um in das Ormoo-Gebiet zu fahren. In der Stadt Koffle fanden wir in der dortigen Vorschule Verhältnisse vor, die noch beengter und auch ärmlicher waren als die in Akaki. Die Stadtverwaltung hat jedoch der Gemeinde bereits ein Grundstück für eine Vorschule zur Verfügung gestellt. Wichtig ist jetzt, dass sie jemanden finden, der das Bauprojekt vor Ort finanziert, organisiert und leitet.

An einem weiteren Ort im Ormoo-Gebiet wurde uns eine Kirche gezeigt, die gerade in einem vom Moslem bewohnten Gebiet errichtet wird. Obwohl die Kirche nur teilweise verputzt ist, wird sie bereits sowohl als Kirche wie auch als Vorschule genutzt. Vorschulen sind für alle Kinder, egal welcher Religion, offen. Zu besonderen Anlässen werden auch die Eltern eingeladen, so dass vor allem Moslems, Atheisten und Christen zusammenkommen. Selbst in einer moslemischen Umgebung gibt es zwischen den Religionen keine Probleme. Die Menschen sind dankbar, dass ihre Kinder überhaupt eine kostenlose Ausbildung erfahren können.

An den beiden folgenden Tagen besichtigten wir noch einige Vorschulen in der Gegend von Addis Abeba. Wir konnten uns überzeugen, dass von den Mitarbeitern dort eine gute Arbeit gemacht wird. Leider fehlt es an Mitteln, um wirklich gute Unterrichtsräume anbieten zu können. So wurden an einer Schule die Kinder von zwei Klassen in Zelten unterrichtet. Trotz der widrigen Umstände sind die Kinder willig zu lernen. Uns wurde mitgeteilt, dass die Zustände in den öffentlichen Vorschulen nicht so gut sind als in den von uns betreuten. Auch gehen die Lehrer hier besser auf die Kinder ein. Insgesamt werden in Äthiopien in 35 Vorschulen über 3.000 Kinder betreut. Wenn die Finanzen es erlauben würden, könnten noch mehr solcher Vorschulen eröffnet werden oder in den bestehenden die Räumlichkeiten verbessert werden.

Unterstützen Sie diese wertvolle Arbeit! Für alle Kinder ist die Grundbildung der erste Schritt zur Selbsthilfe. Im Moment profitieren 3.000 Kinder von der Vorschularbeit in Äthiopien.

Das Ziel ist, bald 5.000 Kindern eine zukunfts-entscheidende Grundbildung zu ermöglichen. Für einen Mindestbetrag von ca. 100,- Euro/Monat kann eine gesamte Vorschule (das sind 40 bis 100 Kinder) finanziert werden. Darin enthalten sind das Gehalt für einen qualifizierten Lehrer und genügend Unterrichtsmaterial.

 

 

 

 


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