Was ist eigentlich

mit dem “Wunderkind“ Anjuta?

Mehrere Millionen Fernsehzuschauer in der Ukraine beobachteten das schockierende und doch wunderbare Zeugnis von Anjuta

 

Vor einiger Zeit berichteten wir über dieses Wunderkind. Über fünf Jahre sind seit dem Vorfall vergangen und Anjuta hat sich wunderbar entwickelt. Was geschah damals?

 

Sergej, ihr Adoptivvater, war einst ein gefürchteter Rückfalltäter und landete im Gefängnis. Dort in der Zelle fand er zu Jesus. Olga, die Adoptivmutter, wuchs in einer christlichen Familie auf. Nach über drei Jahren brieflichem Kontakt mit Sergej fand schließlich die Eheschließung “hinter Gittern“ statt. Später adoptierten sie eine Tochter, ein neugeborenes Mädchen, Anjuta, das von ihrer Mutter in einer Latrine ausgesetzt wurde. Durch den Einsatz der Christen vor Ort konnte sie aber gerettet werden und überlebte schließlich. Darüber und über andere erschreckende und doch auch wunderbare Erlebnisse handelte die Fernsehsendung „Ohne Tabus“, die vor einigen Wochen im ukrainischen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

 

Nachfolgend erzählen Olga und Sergey Shafran selbst, wie ihre Tochter gefunden wurde:

 

Es war Ende August 1998 in Mariupol. Mein Mann und ich besuchten einen Gottesdienst von Genadij Mochnenko, Pastor und Heimleiter des Kinderheims “Republik Piligrim” in Mariupol.

Während des Gottesdienstes kam eine Person nach vorne und teilte der versammelten Gemeinde mit, was sich einige Tage zuvor in unserer Stadt ereignet hatte. Sie bat darum, für diese Situation zu beten. Sie erzählte uns, wie eine Frau zuhause ein Baby zur Welt brachte und es dann ins Latrinenloch warf. Das Mädchen überlebte wie durch ein Wunder. Die verzweifelte Mutter hingegen starb drei Stunden nach ihrem kriminellen Tun.

Die Frau, die das im Gottesdienst erzählte, fügte noch hinzu, sie empfinde ganz stark, Gott habe diesem kleinen Kind nicht umsonst das Leben geschenkt. In jenem Moment stieg in meinem Herzen eine tiefe Liebe für dieses Kind empor und der Wunsch, dieses Mädchen bei uns aufzunehmen. Sergej, meinen Mann, bat ich danach, dieses Kind bei uns aufzunehmen. Er stimmte zu.

 

 

Zusammen haben wir dann den ‘Tatort’ besichtigt. Was wir herausfanden, gab wahrlich kein erfreuliches Bild ab: Eine heruntergekommene Barracke, im Garten ein Abfallhaufen und im entferntesten Winkel dieses Gartens die Latrine, welche auf bizarre Weise die Wiege des neugeborenen Kindes geworden war. Von den Nachbarn erfuhren wir den Nachnamen der Mutter. Als wir uns gerade auf dem Gelände umschauten, kam der älteste Bruder des Mädchens, der 12-jährige Sascha, von der Schule nach Hause.


 

Da wir nun ein bisschen mehr herausgefunden hatten, machten wir uns also auf in die Klinik, um nach dem Mädchen zu suchen. Wir fanden sie in der Reanimationsabteilung mit einer beidseitigen Lungenentzündung. Wir sprachen mit dem Arzt und teilten ihm mit, dass wir das Mädchen gerne adoptieren wollten. Er zeigte uns die Kleine, das war zehn Tage nach ihrer Geburt. An diesem Tag stellten wir den Antrag der notwendigen Papiere für die Pflegschaft. Einen Monat später verschlechtere sich der Gesundheitszustand des Kindes drastisch. Mehr als vier Wochen kämpften die Ärzte um ihr Leben. Wir beteten anhaltend für sie. Dreimal wurde sie für klinisch tot erklärt.


 

Eines Tages wurde uns in der Klinik gesagt: „Sie können das Baby nicht adoptieren, kommen sie nicht mehr vorbei, rufen sie nicht mehr an und fragen sie nicht mehr nach, wie es ihr geht. Wir haben andere, gesündere Kinder hier. Adoptieren Sie doch eines dieser Kinder!“ Wir aber wollten gerade dieses Mädchen, das Gott auf unser Herz gelegt hat. Nachdem wir alle Unterlagen zusammen hatten, baten wir das Pflegschaftssamt, dieses Kind niemand anderem zu geben; sie würde sich erholen und wir würden sie zu uns nehmen.


 

Ja, und so kam es dann auch. Im März 1999 erhielten wir von der Behörde den Zuschlag, am 24. März wurde Ann dann unsere Tochter. Sie war leicht wie eine Feder, wog mit ihren sieben Monaten gerade mal 4.700 Gramm. Doch sie hatte wache, kluge Augen. Sieben Monate ohne jemals herausgekommen zu sein, ohne frische Luft geatmet zu haben, vollgestopft mit allen möglichen Medikamenten – und doch war sie auf dem Zimmer der Kinderstation die Lebhafteste von allen.


 

Die Oberschwester fragte uns: „Warum möchten sie gerade dieses schwerkranke Kind adoptieren?“, und dann begann sie, uns alles aufzuzählen, was das Mädchen an schwerwiegenden Problemen hatte. Wir verstanden nichts davon. Wir erzählten ihr, wir seien Christen und vertrauten Gott. Er werde die notwendige Stärke geben, wenn er uns das Mädchen anvertraue. Danach ging das Gespräch in eine andere Richtung.


 

Als wir “Ann” schließlich mit nach Hause nehmen durften, wurde uns eine lange Liste an Medikamenten mitgegeben, die sie dringend brauchte sowie viele ernährungsdiätetische Hinweise. Sie wuchs ohne Milch auf, nur mit Reis und Tabletten. Doch bereits nach zwei Wochen stellten wir fest, dass sie gestärkt war und wir setzten die Medikamente ab. Nach und nach wurde sie kräftiger und gedieh prächtig. Im Krankenhaus hatten sie uns gesagt, dass sie die Medikamente ihr ganzes Leben lang nehmen müsste, aber sie lebt jetzt schon vier Jahre ohne Tabletten und ohne strenge Diätvorschriften.


 

Wir danken Gott, dass er Ann das Leben geschenkt hat und sie uns gegeben hat! Ann ist jetzt ein gesundes, kluges, hübsches, mutiges und freundliches Mädchen. Sie springt gerne draußen herum und spielt mit ihren Kameraden. Sie hat sich in den letzten fünf Jahren hervorragend entwickelt.

 

 

 

 

 

 

 


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